Decarboxylierung von Cannabidiol (CBD)

Im Zusammenhang mit Cannabinoiden aus der Cannabispflanze fällt immer wieder der Begriff Decarboxylierung oder auch oxidative Decarboxylierung. Was sich genau dahinter verbirgt, und warum diese chemische Reaktion für die Herstellung eines hochwertigen CBD-Öls notwendig ist, darüber soll im folgenden Artikel informiert werden.

Wenn es heißt, dass Hanf Cannabinoide bildet, ist das fachlich nicht ganz korrekt. Denn die Pflanze produziert sogenannte Cannabinoidsäuren (Carboxylsäuren), die auch als inaktive Säure-Formen bezeichnet werden. Sie sind die Vorstufen der eigentlichen Cannabinoide.

Das bedeutet, dass wichtige Cannabinoide wie Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC) im Grunde genommen nicht in der Cannabispflanze vorliegen, sondern ihre saure Vorstufe. Im Fall von CBD ist das die Cannabidiolsäure (CBDA) und die Tetrahydrocannabinolsäure (THCA). Der Buchstabe A steht hier für das englische Wort Acid (Säure).

Inhaltsverzeichnis

1 Entfalten Cannabinoidsäuren eine Wirkung?
2 Was ist die Decarboxylierung?
2.1 Was ist bei der Decarboxylierung zu beachten?
2.2 Vorteile der Decarboxylierung
3 Decarboxylierung von THC und CBD
4 Verfahren für die Herstellung von CBD-Öl

Entfalten Cannabinoidsäuren eine Wirkung

Studien, in denen die Säure-Form von Cannabinoiden untersucht wurde, gibt es kaum. Ein Untersuchung an Nagetieren weist auf ein mögliches therapeutisches Potenzial hin. So konnten Forscher:innen am Mausmodell zeigen, dass CBDA bei der Behandlung von Übelkeit und Angstzuständen wirksam sein könnte. Die Forschung steckt hier aber noch in den Kinderschuhen.

Eine interessante Information dürfte sein, dass THCA im Gegensatz zum psychoaktiven THC keine berauschende Wirkung entfaltet. Dementsprechend ist der Verzehr von rohem Hanf unbedenklich.

Was ist die Decarboxylierung?

Die Decarboxylierung (oder auch oxidative Decarboxylierung) ist ein chemischer Prozess, der auf natürliche Weise stattfindet, wenn das Pflanzenmaterial ungeschützt der Sonne und der Luft ausgesetzt ist. Hierdurch verändert sich die chemische Struktur der Carboxylsäuren. Das Gleiche passiert im Übrigen auch, wenn Cannabis geraucht oder verdampft wird.

Cannabinoide in ihrer Säure-Form besitzen eine Kohlenstoff-Sauerstoff-Wasserstoff-Molekülbindung (-COOH), die als Carboxyl bekannt ist. Da diese Verbindungen instabil sind, werden sie durch Hitze schnell durchbrochen und ein Molekül spaltet sich ab. Vereinfacht gesagt bedeutet dies, dass sich die Säure (A) abspaltet, sodass sich CBDA in CBD und THCA in THC umwandelt – sprich in ihre aktive Form.

Um nicht den natürlichen Prozess abwarten zu müssen, decarboxylieren beispielsweise Hersteller:innen von CBD-Ölen das Pflanzenmaterial mit Hitze.

Was ist bei der Decarboxylierung zu beachten?

Nun lässt sich annehmen, dass es ausreicht, das Pflanzenmaterial einfach zu erhitzen, um die Umwandlung der Cannabinoide von ihrer inaktiven in die aktive Form herbeizuführen. Ganz so einfach ist das allerdings nicht. Denn die richtige Temperatur ist hier sehr wichtig.

In Bezug auf die Decarboxylierung und die Temperatur gilt folgende Regel: Es verbleiben umso mehr wertvolle Pflanzenstoffe (wie Terpene, Flavonoide etc.), desto niedriger die Temperatur ist und desto länger das Erhitzen andauert. Eine zu hohe und zu kurze Hitze kann dazu führen, dass CBDA sehr viel vom CBD verliert.

 

Das Zusammenspiel der unterschiedlichen Cannabinoide und sekundären Pflanzenstoffe nennt sich Entourage-Effekt.

Dementsprechend liegt die Herausforderung bei der Decarboxylierung darin, das Material aus Cannabis nicht zu heiß zu erhitzen, damit möglichst wenige Inhaltsstoffe und Cannabinoide schlichtweg „verdampfen“.

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Vorteile der Decarboxylierung

Die Cannabispflanze sind am Ende des Anbauzyklus nur wenig anfällig. Dennoch kann die Pflanze bei der Lagerung nach der Ernte mit Pathogenen (Mikroorganismen) kontaminiert werden. Durch die Decarboxylierung wird aus den Cannabisblüten die Feuchtigkeit gezogen. Infolge dessen minimiert sich das Risiko der Kontamination.

Decarboxylierung von THC und CBD

Mithilfe von niedrigen Temperaturen und einer längeren Erhitzung soll es möglich sein, etwa 95 Prozent der Cannabinoidsäuren in die aktive Form umzuwandeln. Gleichzeitig soll der Abbau von THC zu Cannabinol (CBN) auf ungefähr zehn Prozent begrenzt werden.

Zur Erklärung: Bei einer zu langen Erhitzung oxidiert das THC zu dem weniger wirksamen Cannabinoid CBN.

Es wird empfohlen, das Verfahren für die Gewinnung von Cannabinoiden wie folgt durchzuführen:

  • Das Material der Pflanze für 10 bis 20 Minuten bei einer Temperatur von 100 bis 110 Grad Celsius erhitzen, damit das Restwasser verdampfen kann.
  • Anschließend noch einmal für ungefähr 60 bis 120 Minuten mit einer Temperatur von 100 bis 110 Grad Celsius erwärmen. Damit findet die Umwandlung von THCA in THC in aller Regel problemlos statt. Wenn großer Wert auf CBD gelegt wird, sollte die Erwärmung hingegen bei einer Temperatur von 120 Grad Celsius eine Stunde lang dauern.

Viele weitere Wirkstoffe aus Cannabis, wie zum Beispiel die Terpene, bleiben bei diesen Temperaturen erhalten. Terpene sind für den Geruch und den Geschmack von Cannabis verantwortlich. Außerdem besitzen sie gewisse therapeutische Vorteile, bzw. unterstützen sie die Wirkung der Cannabinoide, die dann nach der Anwendung mit dem (körpereigenen) Endocannabinoid-System interagieren.

Verfahren für die Herstellung von CBD-Öl

Um ein hochwertiges Vollspektrum CBD-Öl herzustellen, spielen vor allem folgende Faktoren eine wichtige Rolle:

  • Bio-Hanf als Ausgangsmaterial
  • Händische Ernte
  • Optimale Lagerung des geernteten Hanfmaterials
  • Decarboxylierung mit den richtigen Temperaturen/Dauer
  • Umweltfreundliche und schonende CO2-Extraktion
  • Erhöhung der Viskosität des CBD-Extraktes mit Bio-Hanföl

Zum Thema CO2-Extraktion: Es gibt verschiedene Verfahren, um CBD zu extrahieren. Besonders hat sich das CO2-Extraktionsverfahren bewährt, da hiermit nicht nur die Cannabinoide extrahiert werden, sondern auch alle anderen Wirkstoffe aus Cannabis (z. B. Terpene, Flavonoide etc.), sodass ein hochwertiges Vollspektrum-Produkt entsteht.

Trotz Decarboxylierung bleibt ein kleiner Teil der Vorstufe von CBD erhalten. Forschungen legen nahe, dass die gleichzeitige Anwendung von CBDA mit CBD die Bioverfügbarkeit von CBD sogar erhöhen kann. Dennoch sollte der CBD-Gehalt im CBD-Öl immer höher sein als der CBDA-Gehalt. Zusätzlich ist auch auf den THC-Gehalt zu achten. Dieser sollte den zulässigen Wert nicht überschreiten.

Möchtest du mehr zum Thema Hanf und CBD erfahren? In kleinen, gut verdaulichen Häppchen findest du Infos zu Novel Food, THC-Grenzwerten und Herbiziden in unserem CBD Glossar.

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FAQ

Wie lange Decarboxylieren?

Mithilfe der Decarboxylierung können das THCA, CBDA und weitere Cannabinoidsäuren in den Cannabisblüten in die aktive Form THC und CBD umgewandelt werden. Empfehlen wird, die Blüten zunächst bei einer Temperatur zwischen 100 und 110 Grad Celsius für 10 bis 20 Minuten zu erhitzen. Dank dieses Prozesses kann das Restwasser verdampfen. Danach sollten die Cannabisblüten noch einmal bei gleicher Temperatur für 60 bis 120 Minuten erwärmt werden.

Was versteht man unter oxidative Decarboxylierung?

Bei der oxidativen Decarboxylierung handelt es sich um eine chemische Reaktion. Durch Hitze erfolgt die Umwandlung der Säuren THCA und CBDA in die aktive Form THC und CBD, indem ein Kohlenstoffdioxid-Molekül von der Säure abgespaltet wird. Bei diesem Prozess ist die Wahl der richtigen Temperatur und Erhitzungsdauer von Bedeutung. Bei diesem Vorgang ist zu beachten, dass die Cannabinoide bei zu hohen Temperaturen oxidieren.

Was bringt Decarboxylieren?

Durch die Decarboxylierung (Erhitzung) wird eine Cannabinoidsäure (z. B. THCA oder CBDA) in ein aktives Cannabinoid (z. B. THC oder CBD) umgewandelt. Dieser Prozess findet automatisch beim Rauchen oder Verdampfen von Cannabis statt. Um aber aktive Cannabinoide in Produkte (z. B. CBD-Öl) hinzufügen zu können, ist die Decarboxylierung unerlässlich.